»Hier ein paar Grundsätze für eine Regulierung in einer Welt mit real…
»Hier ein paar Grundsätze für eine Regulierung in einer Welt mit real existierender Klimakrise, auf die sich eigentlich alle Bundestagsparteien außer der Klimawandelleugnerpartei AfD einigen können sollten:
Energieeffizienz geht vor. Wenn man einen Prozess technisch energieeffizienter gestalten kann, erzeugt er in jedem Fall weniger CO₂. Mehr noch: Effizientere Technologie ist in einer Welt, in der längst große globale Mehrheiten die Klimakrise als bedrohliches Faktum anerkennen, auch wirtschaftlich zwangsläufig zukunftsfähiger. Die Phrase »Technologieoffenheit« ist heute ein lächerliches Feigenblatt, das diese physikalisch unverrückbare Tatsache verdecken soll. Das lernt gerade die Autoindustrie, deren Verbrenner im Export nach China nun Ladenhüter sind. Effizienter heißt in aller Regel: elektrisch, ohne Verbrennungsprozess. Egal ob beim Heizen, beim Fahren oder in einer wachsenden Zahl von Industrieprozessen . Wenn man das akzeptiert, wird richtiges Regulieren plötzlich einfacher: Man fördert Effizienz, fertig. Man sollte es aber anders machen als beim Thema Wärmepumpe, wo die prozentuale deutsche Förderung die Preise hochtreibt . Feste Förderbeträge funktionieren besser.
Brandschutz geht vor. Land- und Forstwirtschaft müssen, ebenso wie die Ausstattung zur Brandbekämpfung, endlich konsequent auf ein heißer und trockener werdendes Europa eingestellt werden. Das reicht von der Wahl der Pflanzen bis zum Wald- und Wassermanagement. Dazu braucht es dringend auch mehr europäische Kooperation, etwa beim Thema Löschflugzeuge. Das ist kein Hexenwerk, es erfordert aber, dass man sich der Lage endlich stellt.
Hochwasser- und Überschwemmungsschutz gehen vor. Ich lege mich an dieser Stelle fest: Wir werden in Europa noch in diesem Jahr Extremregenereignisse und wasserbedingte Katastrophen erleben, die erneut Negativrekorde markieren und gewaltige Summen kosten. Warmes Wasser verdunstet schneller (und die Ozeane sind so heiß wie nie zuvor in einem August seit Beginn der Messungen ), warme Luft nimmt mehr Wasser auf, der Zusammenhang ist exponentiell. Das muss Konsequenzen haben für Städtebau, Flusslandschaften, Sickerflächen und so weiter. Wenn man Moore renaturiert, gewinnt man damit sogar doppelt: Sie stoßen, auch wenn es bis zu diesem Punkt lange dauert, kein CO₂ mehr aus.
Hitzeanpassung geht vor. Selbstverständlich benötigen deutsche Kliniken, Alten- und Pflegeheime und so weiter Klimaanlagen, und selbstverständlich muss das auch in Privathaushalten möglich bleiben. Es wird weiterhin heißer, und das wird noch viele Jahre so weitergehen. Wir haben kein »neues Normal«, wir erleben gerade die kühlsten Jahre des restlichen Jahrhunderts. Ein höherer Stromverbrauch muss aber ja keinen höheren CO₂-Ausstoß zur Folge haben – man muss den Strom eben erneuerbar erzeugen. Deshalb ist der Wunsch von Wirtschaftsministerin Reiche, die Stromverbrauchsprognosen für Deutschland nach unten zu rechnen, so widersinnig. Und deshalb sind ihre kaum verhohlenen Versuche, den Ausbau von erneuerbaren Energien und Speichern zu bremsen, so schädlich – auch ökonomisch!
Sinnvolles Wassermanagement geht vor. In wenigen Jahrzehnten werden Menschen in Deutschland entsetzt aufstöhnen bei dem Gedanken, dass wir in diesem Land jahrzehntelang unsere Toiletten mit köstlich sauberem Trinkwasser gespült haben, dass wir Industrieunternehmen gigantische Wassermengen mehr oder minder geschenkt und unser Grundwasser mit Dünger verunreinigt haben. Wer verstehen will, was uns droht, der lese »Durstiges Land« von der SPIEGEL-Redakteurin Susanne Götze und ihrer Kollegin Annika Joeres. Das Schlimme ist: Im Moment trocknet Deutschland noch schneller aus als im Buch angenommen.
Die Profiteure der Katastrophe dürfen nicht mehr ungeschoren davonkommen. Für die Ölkonzerne ist dieses Katastrophenjahr keine Katastrophe, im Gegenteil: Sie verdienen derzeit prächtig . Parallel versuchen sie, mit Donald Trump als Handlanger, den Ausbau sauberer Energie und das Wachstum der Elektromobilität zu sabotieren. Europäische Konzerne spielen mit. Würden die Profiteure fossiler Brennstoffe für die gigantischen negativen Externalitäten ihrer Geschäftsmodelle endlich zur Kasse gebeten, stünden auf einen Schlag riesige Summen für Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung. Im Moment ist jede weitere durch die Erhitzung verschärfte oder verursachte Extremwetterkatastrophe ein Geldgeschenk an Exxon, Chevron und Co., aber auch an europäische Konzerne wie TotalEnergies. Den europäischen Emissionshandel (ETS) aufzuweichen, wie das auch in Teilen der deutschen Industrie und der Union populär ist, wäre deshalb ein katastrophaler Schritt in die falsche Richtung .«